Sieben Fragen an Diana Haase
Über Bestattungen mit Herz & Mut, meinen etwas ungewöhnlichen Weg in diesen Beruf und darüber, warum ein Abschied nicht besonders sein muss – sondern passend.
Wofür steht valediction?
„Valediction“ bedeutet Abschied nehmen. Und genau darum geht es mir. Natürlich gehört zu meiner Arbeit alles, was eine Bestatterin ganz selbstverständlich können und organisieren muss. Aber für mich beginnt und endet ein Abschied nicht bei Formalitäten, Sarg, Urne und Beisetzung.
Mich interessiert der Mensch, um den es geht – und die Menschen, die zurückbleiben. Was war wichtig? Was passt zu diesem Leben? Was brauchen die Angehörigen jetzt? Daraus entwickelt sich Schritt für Schritt der Abschied.
Warum sind Sie Bestatterin geworden?
Geplant war das nicht. Ich komme ursprünglich aus der Gestaltung, habe als Dekorateurin gearbeitet und später viele Jahre eine Internetagentur geführt.
Früher dachte ich tatsächlich einmal, ich könnte Wedding Planner werden. Mich hat schon damals gereizt, wichtige Tage zu gestalten und dafür zu sorgen, dass sie zu den Menschen passen. Dass daraus irgendwann Bestattungen werden würden, hätte ich allerdings nicht gedacht.
Dann wurde der Tod durch eigene Verluste sehr unmittelbar Teil meines Lebens. Später kam meine Arbeit im Hospiz dazu. Irgendwann wurde aus vielen einzelnen Erfahrungen ein ziemlich klares Gefühl: Genau hier möchte ich arbeiten.
Was bedeutet „Bestattungen mit Herz & Mut“ für Sie?
Herz heißt für mich zuerst einmal: zuhören, da sein und ernst nehmen, was gerade ist. Trauer, Wut und Unsicherheit genauso wie Dankbarkeit, Erinnerungen und manchmal auch ein Lachen.
Und Mut bedeutet für mich, Möglichkeiten zu zeigen und Gewohntes auch einmal infrage zu stellen. Nicht, weil eine Bestattung möglichst außergewöhnlich werden soll. Sondern weil niemand etwas tun muss, nur weil „man das eben so macht“.
Am Anfang bringe diesen Mut manchmal ich mit. Später sagen Angehörige plötzlich selbst: Das würde zu ihm passen. Oder: Nein, genau das wollen wir nicht. Dann sind wir auf einem guten Weg.
Was machen Sie anders?
Vielleicht vor allem: Ich beginne nicht mit einem Katalog.
Ich nehme erst einmal Tempo heraus, höre zu und zeige, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Manche Entscheidungen müssen früh getroffen werden, andere können warten. Und vieles entsteht ohnehin nicht in einem einzigen Gespräch.
Angehörige dürfen sich einbringen, wenn sie möchten: einen Sarg oder eine Urne gestalten, Musik aussuchen, Blumen aus dem Garten mitbringen, Briefe schreiben, Fotos suchen oder persönliche Dinge einbeziehen. Sie müssen aber überhaupt nichts davon tun.
Ich sehe mich deshalb oft mehr als Begleiterin denn als Bestatterin. Das Handwerk gehört selbstverständlich dazu. Aber mindestens genauso wichtig ist für mich, gemeinsam herauszufinden, was jetzt wirklich passt.
Muss eine persönliche Bestattung immer etwas Besonderes sein?
Nein. Ganz im Gegenteil.
Persönlich heißt für mich nicht spektakulär. Ein Abschied kann bunt, lebendig und voller Dinge sein. Er kann aber genauso still, schlicht und zurückhaltend sein.
Manchmal reicht ein bestimmtes Lied. Eine Blume. Ein Foto. Ein Gegenstand, bei dem jeder sofort weiß, warum er dort liegt.
Manchmal braucht es viel – und manchmal fast nichts.
Entscheidend ist nicht, ob andere sagen: „Was für eine besondere Trauerfeier.“ Entscheidend ist, ob die Menschen, die dort sitzen, sagen können: Ja. Das war er. Das war sie.
Welche Rolle spielen Ihre eigenen Verluste bei Ihrer Arbeit?
Eine wichtige – aber nicht in dem Sinne, dass ich deshalb wüsste, wie sich die Trauer eines anderen Menschen anfühlt.
Jede Beziehung ist anders, jeder Verlust ist anders und jeder Mensch trauert anders. Meine eigene Geschichte gibt mir keine Antwort darauf, was jemand anderes gerade empfindet.
Aber sie gibt mir eine Ahnung davon, wie sehr ein Verlust das Leben aus dem Gleichgewicht bringen kann. Wie fremd diese ersten Tage sein können. Und wie wertvoll es sein kann, wenn da jemand ist, der zuhört, aushält und nicht sofort weiß, was jetzt richtig sein müsste.
Vielleicht ist genau deshalb mein Satz „Ihr Tempo ist mein Tempo.“ für mich mehr als ein schöner Spruch.
Was wünschen Sie Angehörigen für einen Abschied?
Dass sie sich nicht unter Druck setzen lassen – weder von Vorstellungen, wie eine Bestattung angeblich auszusehen hat, noch von dem Anspruch, jetzt unbedingt etwas ganz Besonderes schaffen zu müssen.
Ich wünsche ihnen, dass sie Möglichkeiten kennenlernen, Entscheidungen in ihrem Tempo treffen können und am Ende das Gefühl haben: Dieser Abschied hat zu diesem Menschen und zu uns gepasst.
Und ich wünsche ihnen, dass neben aller Traurigkeit auch das Leben dieses Menschen seinen Platz bekommt. Seine Eigenheiten, seine Leidenschaften, die gemeinsamen Geschichten – und vielleicht sogar ein Moment, in dem alle miteinander lachen.
